Wenn Sie in Ihrer Google Search Console nachsehen und feststellen, dass sich Ihre durchschnittliche Platzierung von Platz 46 auf Platz 14 verbessert hat, ist das meist ein Grund zur Freude. Es kann aber das Gegenteil bedeuten.
Der Grund steht in Googles eigener Dokumentation, und er ist erstaunlich wenig bekannt.
Was Google tatsächlich zählt
Die Search Console zeigt die durchschnittliche Position Ihrer Website in den Suchergebnissen. Was viele nicht wissen: In diesen Durchschnitt fließen nur Suchanfragen ein, bei denen Ihre Seite auch tatsächlich angezeigt wurde. Google nennt so eine Einblendung „Impression“ und schreibt dazu:
„Ein Link muss eine Impression erhalten, damit seine Position erfasst wird. Erhält ein Ergebnis keine Impression, weil es zum Beispiel auf Seite 3 der Suchergebnisse steht und der Nutzer nur Seite 1 ansieht, wird seine Position für diese Anfrage nicht erfasst.“
Übersetzt: Standen Sie bei einer Suchanfrage auf Platz 60, und niemand hat bis dorthin geblättert, taucht dieser Platz in Ihrem Durchschnitt gar nicht auf.
Solange sich nichts verändert, ist das unproblematisch. Kritisch wird es, wenn die schlechten Platzierungen wegfallen. Dann verschwinden sie aus der Rechnung, der Durchschnitt der verbliebenen sieht besser aus, und an Ihrer tatsächlichen Platzierung hat sich nichts geändert. Es fehlt einfach die schlechte Hälfte.
Was wir in unseren eigenen Zahlen sehen
Wir haben nachgesehen, wie oft die Websites unserer Kunden in den letzten sechzehn Monaten überhaupt in einer Ergebnisliste standen. Nicht wie oft jemand geklickt hat, sondern wie oft die Seite angezeigt wurde.
In fast allen Auswertungen hat sich diese Zahl etwa halbiert. In einem Fall ist sie um fast drei Viertel gefallen, und zwar nicht durch einen Einbruch in einem bestimmten Monat, sondern gleichmäßig über den ganzen Zeitraum. Gemeint sind dabei nur die allgemeinen Suchen, also Anfragen nach einer Leistung und einem Ort. Sucht jemand direkt nach dem Firmennamen, hat sich fast nichts verändert.
Bei den Besuchern ist das Bild uneinheitlich. Bei einem Teil der Websites sind sie im gleichen Maß gefallen wie die Sichtbarkeit. Bei anderen blieben sie stabil, obwohl die Seite nur noch halb so oft erschien. In einem Fall stiegen sie sogar. Eine belastbare Erklärung dafür haben wir nicht, und wir behaupten auch keine.
Dass sich in der Suche etwas verändert, ist gemessen
Unabhängig von unseren Zahlen gibt es Forschung dazu, wie sich das Verhalten in der Suche verschiebt. Das Pew Research Center hat im Juli 2025 eine Untersuchung veröffentlicht, für die das Surfverhalten von 900 Personen mit knapp 69.000 Suchanfragen ausgewertet wurde.
Das Ergebnis: Erschien über den Suchergebnissen eine KI-Zusammenfassung, klickten die Nutzer in 8 Prozent der Fälle auf ein reguläres Suchergebnis. Ohne Zusammenfassung waren es 15 Prozent. Auf Links innerhalb der Zusammenfassung wurde in etwa 1 Prozent der Fälle geklickt. Und die Suchsitzung endete häufiger, wenn eine Zusammenfassung erschien.
Zur Einordnung gehört, dass Google diese Untersuchung öffentlich zurückgewiesen hat, mit dem Hinweis auf eine fehlerhafte Methodik und eine verzerrte Auswahl der Suchanfragen. Google erklärte außerdem, man beobachte keine nennenswerten Rückgänge im gesamten Verkehr ins Web.
Und noch etwas gehört zur Ehrlichkeit dazu: Diese Untersuchung misst Klicks bei Suchanfragen mit KI-Zusammenfassung. Wir sehen weniger Einblendungen bei allgemeinen Suchen. Das sind zwei verschiedene Beobachtungen, und die eine erklärt die andere nicht.
Woran Sie Ihre Entwicklung stattdessen messen sollten
Aus alldem folgt vor allem eines: Die durchschnittliche Platzierung ist als Erfolgskennzahl ungeeignet, solange sich die Zusammensetzung der Suchanfragen verändert.
Aussagekräftig sind drei andere Werte, die alle in derselben Ansicht stehen:
Wie viele verschiedene Suchanfragen erreichen Sie noch? Sinkt diese Zahl, verlieren Sie Sichtbarkeit, egal was der Durchschnitt sagt.
Wie oft wurden Sie insgesamt angezeigt? Das ist die ehrlichere Größe als die Platzierung.
Wie viele Besucher kommen bei den Themen an, mit denen Sie Geld verdienen? Nicht bei allen Themen zusammen, sondern bei den zwei oder drei, die zu Aufträgen führen.
Wer diese drei Zahlen im Blick behält, merkt eine Veränderung, bevor sie im Umsatz ankommt. Wer auf die Durchschnittsposition sieht, erfährt es zuletzt.