Unternehmen stehen heute vor der Frage, ob eine eigene Website noch notwendig ist, wenn bereits Profile auf Plattformen wie sozialen Netzwerken, Branchenverzeichnissen oder Unternehmensprofilen in Suchmaschinen existieren. Die zunehmende Bedeutung externer Plattformen hat dazu geführt, dass viele Geschäftsmodelle theoretisch ohne klassische Website funktionieren können. Dennoch zeigt ein Blick auf Daten, technische Grundlagen und rechtliche Rahmenbedingungen, dass eine eigenständige Website weiterhin eine zentrale Rolle in der Online-Strategie einnimmt.
Nach Angaben verschiedener Branchenstudien verfügen in Deutschland insbesondere kleine und mittlere Unternehmen noch immer nicht flächendeckend über eine professionelle Website, obwohl ein Großteil der Konsumenten vor einem Kauf online nach Informationen sucht. Untersuchungen von Unternehmensverbänden und Digitalverbänden zeigen, dass Kundinnen und Kunden häufig eine Website als erste Anlaufstelle nutzen, um Öffnungszeiten, Kontaktmöglichkeiten, Produktdetails oder Referenzen zu prüfen. Fehlende oder veraltete Webseiten werden in Umfragen regelmäßig als Grund für Vertrauensverlust und Kaufabbrüche genannt.
Eine zentrale Stärke der eigenen Website liegt in der Unabhängigkeit von Plattformregeln. Profile auf sozialen Netzwerken oder in Brancheneinträgen unterliegen stets den Nutzungsbedingungen und technischen Vorgaben des jeweiligen Anbieters. Änderungen an Algorithmen, Layouts oder Sichtbarkeitsregeln können Reichweite und Darstellung eines Unternehmens kurzfristig beeinflussen. Eine selbst betriebene Website bietet hingegen die Möglichkeit, Struktur, Inhalte und Funktionsumfang eigenständig zu gestalten und langfristig konsistent zu halten, solange technische und rechtliche Mindestanforderungen erfüllt werden.
Hinzu kommt die Bedeutung für die Suchmaschinenoptimierung. Suchmaschinen erfassen Websites über Crawler, werten strukturierte Daten, technische Signale wie Ladezeit, mobile Nutzbarkeit und HTTPS-Verschlüsselung sowie Inhalte aus. Eine eigenständige Domain ermöglicht es, Backlinks aufzubauen, thematische Relevanz zu signalisieren und Suchergebnisse gezielt zu beeinflussen, etwa durch optimierte Seitentitel, Meta-Beschreibungen und klare Informationsarchitekturen. Unternehmensprofile in Suchmaschinen und auf Plattformen stellen zwar oft zusätzliche Einträge dar, ersetzen jedoch in der Regel nicht die umfassenden Inhalte und Steuerungsmöglichkeiten einer eigenen Seite.
Ein weiterer Aspekt ist die Kontrolle über Inhalte und Daten. Auf der eigenen Website können Informationen strukturiert bereitgestellt werden, zum Beispiel Produktkataloge, Preislisten, Anleitungen, Supportbereiche, Blogartikel oder Downloadmaterialien. Außerdem besteht die Möglichkeit, datenschutzkonform Webanalyse-Werkzeuge einzusetzen, um anonymisierte oder pseudonymisierte Nutzungsdaten zu erheben und so Angebot und Nutzerführung zu optimieren. Die Auswertung basiert dabei nicht auf den eingeschränkten Statistiken externer Plattformen, sondern auf selbst definierten Messgrößen, sofern die Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und weiterer einschlägiger Regelungen beachtet werden.
In vielen Ländern Europas, darunter Deutschland, gelten zudem rechtliche Informationspflichten für geschäftliche Online-Auftritte. Dazu zählen insbesondere Impressumspflichten, Datenschutzinformationen, gegebenenfalls Angaben zu Verbraucherstreitbeilegung sowie je nach Branche spezielle Kennzeichnungspflichten, etwa im Gesundheits-, Finanz- oder Lebensmittelbereich. Eine eigene Website bietet einen festen Ort, an dem diese Informationen strukturiert und dauerhaft abrufbar bereitgestellt werden können. Auf reinen Social-Media-Profilen oder in Kurzprofilen externer Dienste ist dies oft nur eingeschränkt oder in weniger übersichtlicher Form möglich.
Social-Media-Kanäle, Branchenverzeichnisse, Bewertungsportale und Unternehmensprofile in Suchmaschinen erfüllen dennoch wichtige Funktionen. Sie erleichtern die Auffindbarkeit, ermöglichen direkte Interaktion, Bewertungen, Nachrichtenfunktionen und eine reichweitenstarke, teils sehr zielgruppenspezifische Ansprache. In der Praxis führen viele dieser Plattformen über Links oder Buttons auf die zentrale Website, auf der weiterführende Informationen, rechtliche Hinweise und detaillierte Inhalte bereitstehen. Häufig entsteht so ein Zusammenspiel, bei dem die Website als stabile Basis fungiert und externe Plattformen Reichweite sowie zusätzliche Kontaktpunkte liefern.
Für die technische Umsetzung moderner Websites stehen heute vielfältige Werkzeuge zur Verfügung. Content-Management-Systeme, Baukastensysteme und spezialisierte Hosting-Angebote erleichtern die Erstellung mobiloptimierter Seiten. Wichtige technische Standards wie HTTPS, responsive Design, strukturierte Daten (z. B. schema.org), barrierearme Gestaltung und möglichst kurze Ladezeiten gelten inzwischen als grundlegende Anforderungen, weil sie sowohl Nutzererlebnis als auch Sichtbarkeit in Suchmaschinen beeinflussen. Durch regelmäßige Aktualisierung von Inhalten bleibt eine Website relevant und signalisiert Suchmaschinen Aktivität sowie Aktualität.
Eine reine Abhängigkeit von Plattformprofilen kann dagegen Risiken bergen. Änderungen bei Reichweitenmodellen, eingeschränkte organische Sichtbarkeit ohne Werbebudget oder die Einstellung bestimmter Dienste können dazu führen, dass mühsam aufgebaute Zielgruppen schwerer erreichbar werden. Eine Website unter eigener Domain bleibt auch dann erreichbar, wenn bevorzugte soziale Netzwerke an Bedeutung verlieren oder Geschäftsmodelle ändern. Historische Entwicklungen im Social-Media-Bereich zeigen, dass Plattformen kommen und gehen, während Domains oft über viele Jahre oder Jahrzehnte bestehen.
Vor diesem Hintergrund hat sich in der Praxis ein hybrider Ansatz etabliert. Unternehmen setzen auf eine zentrale, gut strukturierte und rechtlich konforme Website und erweitern diese durch gezielte Nutzung weiterer Kanäle. Suchmaschinenprofile, Karten- und Navigationsdienste, branchenspezifische Portale sowie soziale Netzwerke dienen zur Verbreitung von Inhalten, zur Kundenkommunikation und zur Stärkung der Sichtbarkeit. Die Website fungiert als Kern, auf den von allen anderen Präsenzen verlinkt wird und der als verlässliche Quelle für ausführliche und verbindliche Informationen dient.
Zusammenfassend zeigt sich, dass externe Plattformen die Sichtbarkeit und Erreichbarkeit eines Unternehmens deutlich erhöhen können, eine eigene Website jedoch zahlreiche Funktionen bündelt, die anders nur eingeschränkt oder verteilt abgebildet werden. Sie bleibt zentrale Referenz für Informationen, rechtliche Pflichtangaben, Suchmaschinenoptimierung und langfristige Markenpräsenz im Internet. Eine zeitgemäße Online-Strategie verbindet daher meist beides: eine leistungsfähige, optimierte Website und ergänzende Auftritte auf relevanten Plattformen.
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