Das KI-basierte Chatbot-Angebot ChatGPT startet in den USA eine Testphase für Werbung, die sich gezielt an Nutzerinnen und Nutzer der kostenlosen und der Go-Variante richtet. Während die kostenpflichtigen Tarife Pro, Business und Enterprise werbefrei bleiben sollen, werden Anzeigen künftig in bestimmten Unterhaltungen eingeblendet. Ziel ist es, zusätzliche Erlösquellen zu erschließen, ohne den Kern des Dienstes oder die Qualität der Antworten zu verändern.
Geplant ist, dass Anzeigen ausschließlich unterhalb der generierten Antworten erscheinen. Sie werden optisch von den regulären Inhalten getrennt, deutlich als Werbung gekennzeichnet und können ausgeblendet werden. Zur Anzeige kommt nur dann ein gesponsertes Angebot, wenn ein Bezug zum aktuellen Gespräch besteht, etwa zu einem behandelten Produkt, einer Dienstleistung oder einer thematisch passenden Kategorie.
Vorgesehen ist zudem, dass Nutzende nachvollziehen können, weshalb ihnen eine bestimmte Anzeige angezeigt wird. Eine entsprechende Informationsfunktion soll Hinweise liefern, welche Kontextsignale oder allgemeinen Interessenkategorien zur Werbeauswahl geführt haben. Darüber hinaus lässt sich die Personalisierung von Werbung vollständig deaktivieren, sodass lediglich kontextunabhängige oder weniger gezielt ausgesteuerte Anzeigen geschaltet werden.
Ausgeschlossen bleibt der Einsatz von Werbedaten für die Beeinflussung der ChatGPT-Antworten. Die Inhalte der Unterhaltungen sollen laut Ankündigung nicht zur unmittelbaren Erstellung von Werbeprofilen an Dritte weitergegeben werden, und Konversationen werden nicht mit externen Werbekunden geteilt. Für das Targeting kommen in erster Linie Kontextinformationen innerhalb der Sitzung, technische Basisdaten wie ungefährer Standort und Gerätekategorie sowie allgemeine Einstellungen zur Personalisierung zum Einsatz.
Besondere Beschränkungen gelten für sensible Themenbereiche. In Gesprächen zu Gesundheit und psychischer Gesundheit sowie im Umfeld politischer Inhalte sollen keine Anzeigen ausgespielt werden. Ebenso ist vorgesehen, dass Konten, die als unter 18 Jahre alt eingestuft werden, keine Werbung erhalten. Diese Grenzen orientieren sich an gängigen Vorgaben großer Online-Plattformen, die in der Regel strengere Richtlinien für regulierte oder schutzbedürftige Kategorien anwenden.
Im Hintergrund steht die Notwendigkeit, rechenintensive KI-Dienste nachhaltig zu finanzieren. Sprachmodelle wie GPT-4 und Nachfolger generieren hohe Infrastrukturkosten, insbesondere durch GPU-basierte Rechenzentren und den Datendurchsatz bei Millionen paralleler Anfragen. Werbefinanzierung gilt im Technologiemarkt als etabliertes Modell, um kostenlose oder günstige Zugänge zu komplexen Diensten zu ermöglichen, ohne die Preise für alle Nutzenden anheben zu müssen.
Zur Einordnung lohnt ein Blick auf bestehende Praktiken in der Online-Werbung. Plattformen wie Suchmaschinen und soziale Netzwerke nutzen seit Jahren kontextbezogene Anzeigen, die sich an Suchbegriffen oder aktuellen Inhalten orientieren. Der nun angekündigte Ansatz bei ChatGPT folgt einer ähnlichen Logik: Werbung wird im unmittelbaren Umfeld einer Anfrage platziert, ohne den Kerninhalt der Antwort zu verändern. Transparenzfunktionen wie „Warum wird mir diese Anzeige gezeigt?“ haben sich bei großen Anbietern bereits etabliert und sollen auch hier zur Anwendung kommen.
Rechtlich relevant sind insbesondere Datenschutzregelungen wie die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der California Consumer Privacy Act (CCPA), die den Umgang mit personenbezogenen Daten und Profilbildung regeln. Auch wenn die aktuelle Testphase nur in den USA geplant ist, orientieren sich viele Technologieanbieter an internationalen Standards, um spätere Ausweitungen auf weitere Regionen zu erleichtern. Vorgaben zur Einwilligung in personalisierte Werbung, zu Auskunftsrechten und zu Widerspruchsmöglichkeiten spielen dabei eine zentrale Rolle.
Für Unternehmen, die Anzeigen schalten, eröffnet der Testlauf einen neuen Kanal, um Zielgruppen direkt in einem dialogorientierten Umfeld zu erreichen. Potenzielle Anwendungsfälle reichen von Produktvorschlägen über Software-Tools bis hin zu Bildungs- und Weiterbildungsangeboten, wenn diese inhaltlich zu den laufenden Fragen passen. Gleichzeitig erfordert die Platzierung in einem KI-Chat-Kontext klare Regeln, damit Werbung nicht als Teil der eigentlichen Antwort missverstanden wird.
Die Testphase in den USA dient dazu, Wirkung, Akzeptanz und technische Zuverlässigkeit des Werbemodells zu messen. Auswertungen zu Klickraten, Interaktionsraten, Häufigkeit von Ausblendungen und Rückmeldungen der Nutzenden werden voraussichtlich Einfluss auf eine spätere Ausgestaltung haben. Ob und wann eine Ausweitung auf weitere Länder erfolgt, hängt unter anderem von regulatorischen Anforderungen, Nutzungsgewohnheiten und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Modells ab.
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